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Barfuß durch den Wald

Es ist sieben Uhr früh am Freitagmorgen und der Lärm der tonnenleerenden Müllabfuhr weckt mich. Ich schließe das Fenster. Als ich es wieder öffne, fängt es an zu stinken. Dicker Abgasgeruch wabert in meine Wohnung. Er kommt von der nah gelegenen Baustelle. Schnell werden alle offenen Fenster geschlossen. Es ist ein heißer Tag und ich sitze in meiner immer stickiger werdenden Bude und arbeite genervt. Wiederholte Versuche die Balkontür zur Sauerstoffzufuhr offen zu lassen scheitern am hereinrauschendem Lärm, Dreck und Gestank der Baustelle. An diesem Punkt verspreche ich mir, am Wochenende in die Natur zu fahren.

Der japanische Begriff "Shinrin Yoku" (森林浴 wörtlich für Waldbaden) bezeichnet das Baden in der Atmosphäre des Waldes. Es geht dabei um Entschleunigung und Achtsamkeit. Eine meditative Methode den Wald auf sich wirken zu lassen und so innerlich zu mehr Ruhe zu gelangen. Das wäre genau das Richtige für mich lärmgeplagte Großstädterin! Doch wie lässt sich das als Familienausflug umsetzen? Ein bisschen Action und Abenteuer dürfen eigentlich nicht fehlen. Hier der Kompromiss: Unser Ausflugsziel fürs Wochenende ist der Barfußpark Beelitz-Heilstätten.

Am Sonntagvormittag geht es los. Mit dem Auto dauert es keine Stunde bis wir auf dem Großen Parkplatz im Wald (2 €) ankommen. Wir sind nicht die einzigen Ausflügler und ich befürchte, dass es mir zu voll wird. Menschen wollte ich dieses Wochenende eigentlich meiden. Doch zum Glück ist der Parkplatz auch Anlaufstelle für alle Besucher des Baumkronenpfads und der Führungen in und um das alte Chirugiegebäude der Beelitz- Heilstätten.

Der Barfußpark, der von seinen Machern als Erlebnispark bezeichnet wird, bietet drei Wege durch den Wald, die man ohne Schuhe und Socken erkundet. Insgesamt ist es eine Strecke von über drei Kilometern, die verschiedene Untergründe und Erlebnisstationen bietet. Pro Pfad sollte man mehr als eine Stunde Zeit einplanen. Wir beginnen mit dem roten Weg und tauchen schnell völlig ein ins Naturerlebnis. Wir balancieren, springen und planschen an den verschiedenen Stationen, atmen die frische Waldluft und lassen die unterschiedlichen Untergründe auf uns wirken. Obwohl der Park gut besucht ist, gibt es immer wieder Momente, in denen wir ganz allein im Wald zu seien scheinen.

Ich verrate hier absichtlich nicht zu viele Details des Pfads, da es sich lohnt, ihn selbst zu erkunden. Meine Familie und ich waren am Ende des Ausflugs hoch zufrieden mit dem Erlebnis und fuhren mit leuchtend roten Wangen nach Berlin zurück.

Jana Reiche

Jana Reiche

Das gute Leben muss nicht viel kosten. Hi, ich bin Jana, Designerin und Mama aus Berlin. Ich gebe euch Tipps wie ihr aktuelle Mode- und Einrichtungstrends nachhaltig und kostengünstig umsetzen könnt.

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