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Umsonst und draußen: Lohnt sich der Besuch des Fests zum Tag der Deutschen Einheit?

Pech gehabt: Falscher Eingang, Toiletten zu, Kinderbereich wegen Sturmböen geschlossen und anfangs nüscht los auf der Bühne.

Ich muss euch beichten, dass ich Massenveranstaltungen eigentlich nicht mag. Trotzdem zieht es mich immer wieder auf die Straße des 17. Juni, der sogenannten "Festmeile" Berlins. Die Strecke führt vom Brandenburger Tor zum Großen Stern, auf dem die Siegessäule steht, durch den Stadtpark "Großer Tiergarten". Sie begleitet mich mein Leben lang als Schauplatz vieler verschiedener Veranstaltungen: Als junger Teenager tanzte ich dort mit Plastikblumen im Haar zwischen den Technotrucks der Loveparade. Danach fand ich mich zum Milleniumswechsel an der Siegessäule ein um die Lichtshow "Art in Heaven" an Sylvester 1999 durch den Nebel nicht zu sehen. Die Stimmung damals war düster, junge Männer mit Schreckschußpistolen machten mir Angst, genau wie Menschen mit Schildern auf denen "Das Ende naht" stand. 2006 feierte ich dann wieder ausgelassen auf Berlins erster Fanmeile zur Fußballweltmeisterschaft. Deutschland spielte gegen Portugal im "Kleinen Finale" um Platz 3 und gewann. 2007 saß ich im Zelt der ersten Berliner Fashionweek und sah die Models durchs Brandenburger Tor laufen. Neben einer Autofahrt durchs Brandenburger Tor (ja, das durfte man bis zum Herbst 2002 noch) war die Fashionshow mein Highlight am Pariser Platz.

Nach über zehn Jahren Pause zog es mich mit meiner Familie zum Einheitsfest in den Tiergarten, das unter dem Motto "NUR MIT EUCH" stattfand. Als Berliner trauten wir uns mit dem Auto so nah wie möglich an den Eingang heranzufahren, was aber immer noch einen Spaziergang von 500 Metern bedeutete. Um elf Uhr öffnete zwar der Einlass am Pariser Platz, die Toilettenhäuschen waren jedoch noch verschlossen. "Der Kollege ist sonst immer überpünktlich", hieß es. Auch auf der Bühne war nichts los. Ein Willkommensständchen für uns Besucher wäre wirklich schön gewesen. Danach folgte ein Fußmarsch von mehreren hundert Metern an Foodtrucks und Fressständen vorbei. Endlich gelangten wir zum Kinderbereich um dort festzustellen, dass dieser aufgrund von Sturmwarnungen vorerst geschlossen blieb. Plan B war es den Hubschrauber der Berliner Polizei zu bestaunen. Da sich dieser jedoch nahe der Siegessäule befand war auch dieses Vorhaben schnell verworfen. Zu Fuß mit Kleinkind sind diese großen Entfernungen nicht zu bewältigen. Wir entschieden uns umzukehren. Außer mit Helium gefüllten Luftballons hatte die Festmeile für uns als Familie an diesem Feiertag nichts zu bieten. Zum Abschied sorgten die trommelnden Jungs und Mädels von BÄM, der Berliner Äcademy für Marching Drums, für etwas positive Stimmung auf der Bühne am Brandenburger Tor, das vom französischen Street-Art-Künstler JR mit einer überdimensionalen schwarz-weiß Szene der Berliner Maueröffnung dekoriert war.

Fazit: Wenn man sich im Voraus bis ins Detail über die Veranstaltung, das Bühnenprogramm, das Wetter, die Entfernungen und die einzelnen Angebotsstandorte informiert, kann ein Ausflug zum Fest der Deutschen Einheit lohnenswert sein. Vielleicht fahren wir nächstes Jahr mit den Fahrrad so nah wie möglich an die Veranstaltung heran. Falls das Wetter mitspielt.

Foto von md

Jana Reiche

Jana Reiche

Das gute Leben muss nicht viel kosten. Hi, ich bin Jana, Designerin und Mama aus Berlin. Ich gebe euch Tipps wie ihr aktuelle Mode- und Einrichtungstrends nachhaltig und kostengünstig umsetzen könnt.

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